Magnolienzeit

Wie im Rausch.
Drei Tage brauchen die Knospen, um zu erblühen.
Drei Tage blühen sie.
Drei Tage werfen sie die Blüten ab.

Was für eine verschwenderische Pracht!

Und was sehen und riechen Sie dieser Tage?

Darmstädter Krimitage werden immer noch besser

Michael Kibler moderierte wie immer souverän den Mittwochabend der Darmstädter Krimitage 2017 und überraschte mit Details aus dem Leben von Ingrid Noll und Simone Buchholz. Frau Nolls erster Roman, der von der Presse hoch gelobt wurde, u.a. wegen seiner originellen Sprache und seines erfrischend unkonventionellen Plots, sei nur deswegen geworden, so Frau Noll, weil sie die Gesetze des Krimischreibens damals noch nicht gut genug kannte, um sich an die Konventionen zu halten. Solche spannenden Details erfährt man auf keinem Klappentext, sondern nur live in Bessungen, auf dem roten Plüschsofa, auf dem auch Simone Buchholz ein wenig ins Schwitzen kam, als Michael Kibler die Ratgeber erwähnte, die sie neben ihren Krimis geschrieben hatte und deren Titel so sprechend sind, wie der Inhalt sein dürfte Der Trick ist zu atmen: Erste Liebe, erster Sex und wie du beides überlebst. Vom Schreiben leben zu können, sei eben das Wichtige, erklärte Simone Buchholz und dafür müsse man manchmal eben Bücher schreiben, die einem nicht unbedingt aus der Seele sprechen. Der Saal der Bessunger Knabenschule war wie immer bis auf den letzten Platz gefüllt und die Atmosphäre, obwohl öffentlich, war zugleich mal wieder kriminell privat. Die Darmstädter Krimitage sind damit kein Geheimtipp mehr, aber definitiv noch immer ein Tipp!

Gesund sterben?

Warum sagt eigentlich kein Arzt: „Rauchen, trinken, essen und haben Sie so viel Sex wie möglich. Denn wenn Sie völlig gesund gelebt haben und dann krank werden, ärgern Sie sich.“

Warum sagt das kein Arzt?

Warum nicht exzessiv leben? Und dann irgendwann halt sterben, was ja ohnehin passiert, früher oder später.

Wie halten Sie es damit? Wenn Sie mögen, schreiben Sie einen Text dazu.

Kreatives und therapeutisches Schreiben

Energiefresser und Energiespender

Wenn Sie mögen fertigen Sie doch mal eine Liste an, was Ihnen Energie raubt und was Ihnen Energie gibt.

Sehen Sie sich diese Liste an und wählen einmal einen Energiefresser, um einen 10-minütigen Text dazu zu schreiben und einmal einen Energiespender. An dem Text, der als Impuls den Energiespender hat, schreiben Sie so lange wie Sie mögen.

Kreatives Schreiben: Ein Frosch zum Frühstück

Heute einen Frosch im Briefkasten gehabt. Keine Ahnung, wie der in den Briefkasten kam. Weit und breit kein Teich, und eingepackt war er auch nicht, geschweige denn frankiert. Es muss sich um einen Scherz handeln. Jemand hat sich einen Scherz erlaubt. Sicher der Witzbold gegenüber, der im Herbst auch immer das Laub über den Zaun wirft, weil der Baum auf meinem Grundstück steht und somit ich das Laub zu entsorgen habe. Der Zusammenhang ist eigentlich klar, die Anspielung verstehe sogar ich. Laub und Frosch. Haha, Herr Nachbar, selten so gelacht. Habe den Frosch schließlich gefrühstückt, was blieb mir anderes übrig, es war neun Uhr morgens.

Kreatives und therapeutisches Schreiben: finden nicht suchen

„An einem der Tage, die kommen,
wird etwas geschehen, das du nicht kennst,
noch nicht, und auch nicht verstehst, etwas,
von dem du nur träumst, was du erwartest,
so wie ein Wunder. Es wird etwas sein,
auf das du nicht wartest, nein, das du suchst,
und weißt auch nicht zu sagen, wonach, und
du suchst es auch nicht, sondern findest,
und nicht einmal das, es findet ja dich,
dieses Lächeln, von dem du gefunden wirst,
an einem der Tage, die kommen.“

(Lothar Zenetti)

Schreiben Sie einen Text darüber, wann Sie das letzte Mal das Gefühl hatten, dass „etwas“ Sie gefunden hat.

Therapeutisches Schreiben: Mein Stern

Der Nachtschmetterling und der Stern

Von James Thurber

Ein junger, empfindsamer Nachtschmetterling hatte einst sein Herz einem gewissen Stern zugewandt. Er erzählte seiner Mutter davon, und die riet ihm, statt dessen sein Herz lieber einer Bogenlampe zuzuwenden. „Sterne sind nicht das Rechte, daß man um sie herumhängt“, sagte sie, „Lampen sind das Rechte.“

„Bei Lampen kommt man zu etwas“, sagte sein Vater, „wenn man Sternen nachjagt, kommt man zu gar nichts.“ Aber der Sohn hörte nicht auf die Worte beider Eltern. Jeden Abend in der Dämmerung schickte er sich an, zu dem Stern hinzufliegen, und jeden Morgen bei Tagesanbruch kroch er wieder heim, erschöpft von seinem vergeblichen Bemühen. Eines Tages sagte sein Vater zu ihm: „Du hast dir seit Monaten nicht einen Flügel verbrannt, mein Junge, und es sieht mir ganz danach aus, als ob du es niemals tun würdest. Alfe deine Brüder haben sich schwer verbrannt, beim Rundflug um Straßenlampen, und alle deine Schwestern haben sich arg versengt beim Rundflug um Hauslampen. Also vorwärts jetzt, hinaus mit dir, und laß dich brennen! Ein großer stämmiger Nachtschmetterling-Bengel wie du und noch ohne eine Narbe am Leib.“

Der Nachtschmetterling verließ das Haus, aber er flog nicht um Straßenlampen, und er flog nicht um Hauslampen. Er versuchte sogleich wieder, den Stern zu erreichen, der vier und ein drittel Lichtjahre oder fünfundzwanzig Trillionen Meilen weit entfernt war. Der Nachtschmetterling dachte, der Stern habe sich nur in den Wipfelzweigen einer Ulme verfangen. Er erreichte ihn nie, aber er versuchte es immer wieder, Nacht für Nacht, und als er ein steinalter Nachtschmetterling War, begann er sich einzubilden, er habe den Stern erreicht, und er erzählte es aller Welt. Das erfüllte ihn mit einem tiefen, bleibenden Glück, und er brachte es zu einem hohen Alter. Seine Eltern und seine Brüder und Schwestern waren alle noch in jungen Jahren zu Tode verbrannt.

Schreibimpuls: Wo fliegen Sie jede Nacht hin?