Eigentlich …

„Ich bin nämlich eigentlich ganz anders, aber ich komme nur so selten dazu.“ (Ödon von Horváth)

Und wie sind Sie eigentlich?

Ich bin nämlich eigentlich ganz anders ….

Steilvorlage zum Weiterschreiben.

Werden auch Sie zum Bibliomantiker

In vielen Kulturen wurde und wird die sogenannte Bibliomantik praktiziert. Man schlägt ein Buch an einer zufälligen Stelle auf und deutet blind auf eine Zeile. Aus den Worten, die dort stehen, lässt sich dann die Zukunft vorhersagen. Meist stellt man vorher noch eine konkrete, die Zukunft betreffende Frage. Diese Art der Wahrsagung haben schon die alten Griechen praktiziert, wobei sie oft Homers Werke, meist die Ilias, zurate zogen. Aber auch die Römer betrieben Bibliomantik mit Vergil und im Mittelalter nahmen die Menschen oft die Bibel für ihre bibliomantischen Vorhersagen. Der Überlieferung zufolge soll sich der viktorianische Dichter Robert Browning ebenfalls der Bibliomantik bedient haben, als es um die Frage ging, ob seiner Beziehung zu Elizabeth Bishop Glück beschieden sein würde. Dafür nahm er ein beliebiges Buch aus dem Regal – ausgerechnet eine italienische Grammatik – und schlug es zufällig an irgendeiner Stelle auf. Dort stand: „Wenn wir in der anderen Welt so lieben wie in dieser; werde ich Dich bis in alle Ewigkeit lieben.“ Es handelte sich um eine Übersetzungsübung, genauso gut hätte er auf die Deklination eines Verbs treffen können[1]. Das nenne ich wahrhaftiges Zutrauen in die Weisheit der Bücher.

[1] Forsyth M (2015) Lob der guten Buchhandlung oder vom Glück, das zu finden, wonach Sie gar nicht gesucht haben. FFM: Fischer, S. 22-23

Lassen Sie sich nicht abhalten!

„Wenn ich die ganze Nacht wach gelegen bin und mich darauf gefreut habe, die Blumen zu giessen, lasse ich mich von dem bisschen Regen nicht daran hindern.“ (Pippi Langstrumpf in strömendem Regen mit Gummistiefeln und Regenschirm beim Gießen ihres Gartens)

aus einem Interview zur Bibliotherapie mit der Psychologin Ina Tilman, die es den Lesern als heilsames Zitat schenkt

Die Bereitschaft zur Wahrnehmung

In der Annahme, Schreiben habe mit der Bereitschaft zur Wahrnehmung zu tun, ließ Adolf Muschg Studierende eines Schreibseminars eine Übung aus der Gestalt-Therapie durchführen[1]. Die Aufgabe, die er damals stellte und die ich nun Ihnen stellen möchte, besteht darin, sich nackt in einem Spiegel anzureden und zu notieren, was man bei dieser Begegnung sieht, wie man sich erlebt, was man an sich findet und wie die Tatsache, dass man darüber Buch führt, diese Sicht beeinflusst.

[1] Muschg, A. (1981) Literatur als Therapie? Ein Exkurs über das Heilsame und das Unheilbare. Frankfurt/Main: Suhrkamp, S. 40

Wo geht das Licht hin, wenn wir die Kerze ausblasen?

Der Psychophysiker Ernst Mach schreibt in seinem Buch Werk und Wirkung[1], dass sein vierjähriger Sohn ihm eines Abends die Frage stellt, wo das Licht hinkäme, wenn die Kerze gelöscht werde und das Licht nicht mehr in der Stube sei.

[1] Mach, E. (1988) Werk und Wirkung. Wien.

Schreiben Sie eine Geschichte als Antwort auf die Frage des Vierjährigen.

Mit den Augen eines Kindes

Ernst Jünger schreibt über die Tatsache, dass Kinder das Selbstverständliche als unselbstverständlich nehmen: „Es kommt vor, daß uns der Reiz einer alltäglichen Regung wie der des Atmens oder des Gehens bewußt wird, und es gibt Menschen, die Ihn vom frühen Morgen an empfinden; sie haben „ein glückliches Naturell“.[1]

[1] Jünger, E. (1980) Federbälle. Stuttgart.

Wachen Sie morgen als Kind auf und notieren, was für Sie unselbstverständlich geworden ist.

Zwei Schritte nach Osten

Und noch einmal Durrell (aus Balthazar): „Unser Leben gründet sich auf Fiktionen […] Unsere Schau der Wirklichkeit ist bedingt durch unsere Position in Zeit und Raum […] Zwei Schritte nach Osten oder Westen, und das ganze Bild verschiebt sich.“

Was sehen Sie, wenn Sie zwei Schritte nach Osten oder Westen treten?

Die englische Krankheit oder der englische Tod

Eigentlich bezeichnet die englische Krankheit die Rachitis, also eine Veränderung der Knochen bei Vitamin D Mangel.

Aber der Schriftsteller Durrell versteht darunter etwas anderes. Für ihn ist die englische Krankheit (bzw. der englische Tod) die Grundlage aller Krankheiten.

Die Ursache des englischen Todes ist für Durrell die puritanische Erziehung, die es verbietet, das Leben ohne Gewissensbisse zu genießen und es stattdessen in ein sinnlos enges Korsett zwängt.

Schreiben Sie einen Text über ihr ‚englisches Korsett‘ und wie Sie es loswerden könnten.

Das Experiment

„Wir haben keine Wahl […] Du sprichst, als hätten wir eine Wahl. Wir sind weder stark noch schlecht genug, um wählen zu können. All dies ist Teil eines Experiments, das ein anderer unternommen hat, die Stadt vielleicht, oder irgendein Element in uns selbst.“ (Lawrence Durrell „Justine“)

Schreiben Sie einen Text über das Experiment, von dem in dem zitierten Satz aus Durrells „Justine“ die Rede ist.

Wer hat dieses Experiment unternommen? Wie sieht es aus? Welche Rolle spielen Sie darin?