Wie wirklich sind wir?

„Wer beginnt, ‚Ich‘ zu sagen, der hat die unsichtbare Welt schon betreten, weil wir alle keine Beweise für uns haben. Weil wir uns alle still und heimlich darauf verlassen, wirklich zu sein.“ (Esther Maria Magnis)

Was  verbinden Sie mit ‚Ich‘?
Worauf verlassen Sie sich?

Wie wirklich sind wir?

Das Loch in der Straße

Vielleicht kennen Sie folgenden Text, der auf einem Lied von Portia Nelson (There is a hole in my sidewalk) basiert:

Ich gehe eine Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch.
Ich falle hinein.
Ich bin verloren.
… Ich bin ohne Hoffnung.
Es ist nicht meine Schuld.
Es dauert endlos, wieder hinauszukommen.

Ich gehe dieselbe Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch.
Ich falle wieder hinein.
Ich kann nicht glauben, schon wieder am gleichen Ort zu sein.
Aber es ist nicht meine Schuld.
Immer noch dauert es sehr lange, herauszukommen.

Ich gehe dieselbe Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch.
Ich falle schon wieder hinein…
aus Gewohnheit.
Meine Augen sind offen.
Ich weiß, wo ich bin.
Es ist meine Schuld.
Ich komme auch sofort wieder heraus.

Ich gehe dieselbe Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch.
Ich gehe darum herum.

Ich gehe eine andere Straße.

Schreibimpuls: Auf welcher Straße sind Sie aktuell unterwegs?

Netz mit Löchern

„… und, so Gott will, mir zu der Geschichte verhilft, die ich schreiben will … ich knüpfe immerfort, unbewußt aber doch zielstrebig an einem Netz, in dem die Zufälle des Lebens ihren Platz finden und eines Tages als Muster, als mein Muster kenntlich werden.“

(Monika Maron 2006)

Ruhe und Stille oder Motorausfall?

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, was es bedeuten würde, gar nichts (mehr) zu wollen? Wie würde sich das anfühlen? Wäre es ruhig und still? Oder würde eine wichtige Triebkraft verloren gehen? Ist es nicht das Wollen, das uns Weitergehen lässt, uns eine Richtung gibt?

Schon, wenn Sie denken: „Ich will gar nichts mehr, nur meine Ruhe“ würde diesem Satz ein Wollen innewohnen. Ist das Wollen dem Menschen inhärent? Das Wollen dem Wünschen verwandt, nur stärker?

Vielleicht versuchen Sie sich schriftlich an diesem Gedankenexperiment, beginnend mit dem Satzanfang: „Ich will gar nichts …“

Jeder Mensch ist eine einzigartige Erzählung

„Um wir selbst zu sein, müssen wir uns selbst haben; wir müssen unsere Lebensgeschichte besitzen oder sie, wenn nötig, wieder in Besitz nehmen. Wir müssen uns erinnern an unsere innere Geschichte, an uns selbst. Der Mensch braucht eine solche fortlaufende innere Geschichte, um seine Identität, sein Selbst zu bewahren.“

(Oliver Sacks)

Angenommen es ginge einmal nicht ums Geld …

Stellen Sie sich vor, Sie haben ausreichend Geld, um davon leben zu können. Nicht so viel Geld, als dass Sie damit große Sprünge machen könnten, aber für ein bescheidenes Leben ist genug da – bis zum Lebensende.

Wie und wo würden Sie leben wollen? Was würden Sie machen wollen – zumal für Sie in dieser phantasierten Situtaion keine Notwendigkeit besteht, Ihren Lebensunterhalt zu verdienen … Schreiben Sie einen Text dazu.

Utopisch? Mag sein – kann aber helfen, Prioritäten zu klären.

Weit und Still

Mit Namibia wird oft der Luxus der Weite und Stille assoziiert. Namibia ist eines der am wenigsten dicht besiedelten Länder der Erde.

Was assoziieren Sie, wenn Sie den Begriff „Luxus der Weite und Stille“ hören?

Vielleicht mögen Sie hierzu einen kleinen Text schreiben …

Merkwürdige Zeiten

Heute bin ich an einem Plakat vorbeigegangen, das diesen Titel trug. Ich habe nicht genau hingesehen, aber ich glaube, es handelte sich um eine Ausstellung. Der Titel ist allerdings in meinem Kopf hängen geblieben und ich frage mich: Was bedeutet das, merkwürdige Zeiten? Leben wir in diesen merkwürdigen Zeiten? Was meinen Sie?

Vielleicht wollen Sie einen Text darüber schreiben, ob und wenn ja, warum wir in merkwürdigen Zeiten leben …

Lernen, Nein zu sagen

Jeder Mensch hat nur begrenzt Energie und Zeit zur Verfügung. Und jeder Mensch hat eigene Themen und Aufgaben, denen er sich widmen muss. Daraus ergibt sich zwangsläufig die Notwendigkeit auszuwählen, wofür man seine Zeit und Mittel einsetzt. Aber nicht nur die Notwendigkeit ergibt sich daraus, sondern zugleich das Recht, Themen und Aufgaben anderer Menschen abzulehnen.

Natürlich kann man anderen Menschen bei ihren Themen und Aufgaben helfen und versuchen, Probleme eine Zeitlang mitzutragen. Dabei gilt es aber immer abzuwägen, ob die eigene Kraft dafür reicht. Zudem können wir Probleme von anderen ohnehin nicht lösen und letztlich trägt jeder für sich selbst Verantwortung.

Nein zu sagen, ist aber nicht nur ein Schutz für die eigene Person und eine Beachtung der eigenen Grenzen, sondern zugleich eine Art Wertschätzung des Gegenübers. Denn indem ich es ablehne, die Verantwortung für einen anderen Menschen zu übernehmen, signalisiere ich ihm zugleich, dass ich darauf vertraute, dass er seine Aufgaben und Probleme alleine bewältigen kann.

Wann haben Sie das letzte Mal Nein gesagt? Notieren Sie mindestens zwei konkrete Situationen und beschreiben, wie es Ihnen damit erging. Ob Sie ein schlechtes Gewissen hatten oder es Ihnen gut getan hat, sich abzugrenzen. Hatten Sie das Gefühl, sich rechtfertigen oder erklären zu müssen oder konnten Sie das Nein einfach stehen lassen? Und wie hat Ihr Gegenüber reagiert?