Die Sinnfrage

„Jeder Kreatur ist darauf angewiesen, im Chaos der Welt, in der Kakaphonie von Lauten, Farben und Gerüchen, Muster zu entdecken.“ (Quelle: Was gibt dem Leben Sinn, Geo Wissen, Nr. 53, S. 59)

Was gibt Ihrem Leben Sinn?

Zu schön, um wahr zu sein

Heute sagte ein Immoblienmakler zu mir: „Wenn Sie ein Angebot finden, das zu schön ist, um wahr zu sein, dann ist es auch nicht wahr“.

Wie wahr!

Was haben Sie zuletzt erlebt, was zu schön war, um wahr zu sein?

Schreiben Sie eine Geschichte darüber.

Die Bereitschaft zur Wahrnehmung

In der Annahme, Schreiben habe mit der Bereitschaft zur Wahrnehmung zu tun, ließ Adolf Muschg Studierende eines Schreibseminars eine Übung aus der Gestalt-Therapie durchführen[1]. Die Aufgabe, die er damals stellte und die ich nun Ihnen stellen möchte, besteht darin, sich nackt in einem Spiegel anzureden und zu notieren, was man bei dieser Begegnung sieht, wie man sich erlebt, was man an sich findet und wie die Tatsache, dass man darüber Buch führt, diese Sicht beeinflusst.

[1] Muschg, A. (1981) Literatur als Therapie? Ein Exkurs über das Heilsame und das Unheilbare. Frankfurt/Main: Suhrkamp, S. 40

Wo geht das Licht hin, wenn wir die Kerze ausblasen?

Der Psychophysiker Ernst Mach schreibt in seinem Buch Werk und Wirkung[1], dass sein vierjähriger Sohn ihm eines Abends die Frage stellt, wo das Licht hinkäme, wenn die Kerze gelöscht werde und das Licht nicht mehr in der Stube sei.

[1] Mach, E. (1988) Werk und Wirkung. Wien.

Schreiben Sie eine Geschichte als Antwort auf die Frage des Vierjährigen.

Mit den Augen eines Kindes

Ernst Jünger schreibt über die Tatsache, dass Kinder das Selbstverständliche als unselbstverständlich nehmen: „Es kommt vor, daß uns der Reiz einer alltäglichen Regung wie der des Atmens oder des Gehens bewußt wird, und es gibt Menschen, die Ihn vom frühen Morgen an empfinden; sie haben „ein glückliches Naturell“.[1]

[1] Jünger, E. (1980) Federbälle. Stuttgart.

Wachen Sie morgen als Kind auf und notieren, was für Sie unselbstverständlich geworden ist.

Zwei Schritte nach Osten

Und noch einmal Durrell (aus Balthazar): „Unser Leben gründet sich auf Fiktionen […] Unsere Schau der Wirklichkeit ist bedingt durch unsere Position in Zeit und Raum […] Zwei Schritte nach Osten oder Westen, und das ganze Bild verschiebt sich.“

Was sehen Sie, wenn Sie zwei Schritte nach Osten oder Westen treten?

Die englische Krankheit oder der englische Tod

Eigentlich bezeichnet die englische Krankheit die Rachitis, also eine Veränderung der Knochen bei Vitamin D Mangel.

Aber der Schriftsteller Durrell versteht darunter etwas anderes. Für ihn ist die englische Krankheit (bzw. der englische Tod) die Grundlage aller Krankheiten.

Die Ursache des englischen Todes ist für Durrell die puritanische Erziehung, die es verbietet, das Leben ohne Gewissensbisse zu genießen und es stattdessen in ein sinnlos enges Korsett zwängt.

Schreiben Sie einen Text über ihr ‚englisches Korsett‘ und wie Sie es loswerden könnten.

Das Experiment

„Wir haben keine Wahl […] Du sprichst, als hätten wir eine Wahl. Wir sind weder stark noch schlecht genug, um wählen zu können. All dies ist Teil eines Experiments, das ein anderer unternommen hat, die Stadt vielleicht, oder irgendein Element in uns selbst.“ (Lawrence Durrell „Justine“)

Schreiben Sie einen Text über das Experiment, von dem in dem zitierten Satz aus Durrells „Justine“ die Rede ist.

Wer hat dieses Experiment unternommen? Wie sieht es aus? Welche Rolle spielen Sie darin?

Nicht nachgeben

„Niemals habe ich nachgegeben. Ich habe, was meine Schriftstellerei angeht, einen stark ausgeprägten Willen, und ich werde den Weg gehen, der mir der richtige zu sein scheint.“ (Simenon im Interview über seine Tätigkeit als Schriftsteller)

Ich werde den Weg gehen, der mir der richtige zu sein scheint. Gibt es einen Bereich in Ihrem Leben, auf den dieser Satz zutrifft? Einen Weg, den Sie gegen alle Widerstände gehen oder zu gehen gedenken? Vielleicht mögen Sie einen Text dazu schreiben.

Tatort Bessunger Knabenschule

Wollten Sie auch schon immer mal einen Tatort schreiben? Bisher wussten Sie aber nicht so recht, wie sie vorgehen sollen? Jetzt können Sie studieren, wie die Profis es machen. Markus Stromiedel, der gestern für die Darmstädter Krimitage aus Bonn anreiste, ist ein versierter Drehbuchautor des Tatorts und bietet seine Manuskripte unter http://www.stromiedel.de an.

Neben Drehbüchern schreibt Stromiedel Krimis und Dystopien, zuletzt erschienen „Zone 5“. Keine angenehme Welt, die er dort beschreibt, auch wenn der Autor sagt, dass er nur konsequent unsere Welt „weiterdenkt“. Aber vielleicht ist es genau deswegen so beklemmend, weil uns die 45 Jahre in die Zukunft verlagerte Welt so fern nicht vorkommt. Deutschland wird von einem autoritär regierenden Präsidenten beherrscht und alle europäischen Städte werden in Zonen eingeteilt, so auch Köln, wo der Roman spielt. Man ahnt schon, dass es besser ist in Zone 1 zu leben als in Zone 5, in der es keine ausreichende medizinische Versorgung gibt, während Zone 1 genetisch passende Medikamente anbietet. Zonenwechsel ist bei Todesstrafe verboten. Jede Menge hochexplosiver Stoff also: Aber lesen Sie selbst.

Und auch bei Judith Merchant, der zweiten Krimiautorin des Abends, ging es in „Rapunzelgrab“ um Abgründe jeglicher Art. Wie der Titel erahnen lässt geht es um einen Turm und lange Haare. In diesem Fall allerdings um Haare, die sich die tote Protagonistin ausgerissen und verschluckt hat. Diese beiden Phänomene werden auch als Trichotillomanie und Trichophagie bezeichnet (Die Autorin sammelt seltene Krankheitsbilder). Da Haare aber unverdaulich sind, sammeln sich diese im Magen an und können bis zum Hungertod führen, weil keine Nahrung mehr in den Darm gelangt. Das komplette Krankheitsbild wird auch als Rapunzelsyndrom bezeichnet. Nun haben wir den Namen und den Plot, den Mörder müssen Sie durch Lesen selbst herausfinden.

Michael Kibler führte gewohnt professionell durch den Abend und stellte immer die Fragen, die man selbst gerne gestellt hätte. Morgen endlich liest und singt er selbst, im Duo mit Joe Fischler.

Darmstädter Krimitage, Bessunger Knabenschule, 11. März 2016, 20:00:; Michael Kibler „Totentanz“, Joe Fischler „Veilchens Feuer“.

Wir dürfen gespannt sein.