Von den Toten auferstanden

Auch dieses Jahr gibt es sie wieder, die Darmstädter Krimitage, vom 7.-11. März in der Bessunger Knabenschule, durchgeführt vom Bessunger Buchladen und moderiert von Christian Gude und Michael Kibler. Den Auftakt macht Ulrich Wickert mit „Das Schloss in der Normandie.“ Prominenz zieht Zuschauer, die Veranstaltung ist ausverkauft.

In einer Pariser Psychiatrie treffen eine Polizistin, die im Dienst einen Mann erschossen hat und Togotoy, die sich zwanzig Jahre lang als Prostituierte verdingt hat und jetzt bei Medikamentenstudien mitmacht, aufeinander. Wie immer in Wickerts Kriminalromanen geht es um organisierte Kriminalität, Korruption und Staatsaffären. Um dem Korruptionssumpf in Wirtschaft und Politik etwas entgegenzusetzen, hat er die Figur des Untersuchungsrichters Jacques Ricou entworfen, dessen Nachname seine Frau beigesteuert hat.

Wickert ist ein leidenschaftlicher Sammler von Fakten, ein akribischer Rechercheur, im Journalismus wie als Krimiautor. So gesehen hat er das Genre nicht wirklich gewechselt, nur etwas größere narrative Freiheit gewonnen. Seine Krimis spielen in Frankreich, weil das seine zweite Heimat ist und es in Deutschland überdies im Justizsystem keine dem französischen Untersuchungsrichter ähnliche Position gibt. Dass ein französischer Untersuchungsrichter nicht weisungsgebunden ist, ist entscheidend dafür, dass er in der Lage ist, Verflechtungen aufzudecken und zu bestrafen, womit er die optimale Gegenfigur im Krimi ist.

Der in Tokio geborene und in Deutschland und Frankreich lebende Journalist und Autor Wickert wollte schon als Student Krimis schreiben, aber im fehlte der Mut. Bei seinen literarischen Vorbildern lese sich das immer so leicht, aber genau das sei das Schwere. Von Gude darauf angesprochen, dass es in seinen Krimis „ganz schön blutig“ zugehe, sagt Wickert: „Es gibt schon mal den einen oder anderen Toten. Manchmal brauchen Sie eben bestimmte Personen für die Handlung, die dann irgendwann ihre Aufgabe erledigt haben und dann müssen Sie die wieder loswerden. Was machen Sie mit denen? Sie lassen sie auf eine Mine treten.“

Manchmal stehe ihm sein Wissen  im Weg, weil es ihn beispielsweise daran hindert, jemanden aus dem Louvre aus dem Fenster fliehen zu lassen. „Die sind vergittert“, sagt er, „nur ein amerikanischer Krimiautor, der nie in Frankreich war, kann seinen Täter dort hinausspringen lassen.“.

Wenn er zwei Krimis geschrieben hat, brauche er wieder ein Sachbuch, gesteht er, weil man bei dieser Arbeit vom Schreibtisch aufstehe und Pause habe, während einen Plot und Figuren beim Krimischreiben auch nach dem Verlassen des Schreibtischs weiter im Kopf herumgeistern würden.

Seine Liebe zu Paris hat er in „Mein Paris“ besungen, aus dem er einen kurzen Abschnitt über die Metropole vorliest und kommentiert: „Der Vergleich zwischen Paris und Berlin verbietet sich ebenso wie der Vergleich zweier Frauen.“