Wer krank ist, wird bestraft

Selbstvermessung, Selbstoptimierung. Krankenkassen bezahlen monatliche Raten für Fitnessapps, schütten Boni aus und denken über eine Beitragsstaffelung nach. Wer sich fit und gesund hält, bekommt Rabatte. Wer krank ist und den Fitnesswahn nicht mitmachen kann, hat Pech!

Dystopie? Realität!

Die AOK Nordost belohnte als 1. gesetzliche Versicherung den Kauf eines Fitnessarmbandes oder einer Apple Watch mit einem Bonus (bis zu 50 €). Wer beim Programm „mobil vital“ des Start-ups Dacadoo (Gesundheistvermessung) mitmacht, bekommt das Monatsabo (4,99 €) ebenfalls von der Kasse erstattet.

2008 löste Google Health mit dem Motto „The company to cure death“ noch Entrüstung aus. Heute kommen sie mit der gleichen Idee unter dem Namen Google Fit wieder auf den Markt und niemand kümmert es.

Wer schwer krank ist, kann kaum Sport treiben und bekommt keinen Bonus. Wir sind nur einen Schritt von einem Strafsystem  für diejenigen entfernt, die nicht an Gesundheitsprogrammen teilnehmen wollen oder können.

Und alles passiert weitgehend hinter den Kulissen. Das E-Health Gesetz mag jetzt noch harmlos sein, aber auch Trippelschritte sind Schritte.

In was für einer Gesellschaft wollen wir leben?