Tagebuchschreiben

Der Jahreswechsel bringt meist gute Vorsätze mit sich. Warum nicht einmal das Tagebuchschreiben …

Für alle, die an dem Thema interessiert sind, gibt es ein Feature zum Tagebuchschreiben am Sonntag, 03.01.2016 um 11h30 auf hr2-Kultur.

Darin enthalten ein Interview, das die Journalistin Juliane Ziegler mit mir geführt hat, sowie Infos zum Besuch der Journalistin im Deutschen Tagebucharchiv in Emmendingen. Zudem Highlights eines Diary Slams und Interviews mit Tagebuchschreibern.

http://www.hr-online.de/website/radio/hr2/index.jsp?rubrik=16272&key=standard_document_58458576

Herzlichen Dank für Euer Interesse und einen guten Start ins neue Jahr!

Wie der Hirsch schreit …

… nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu Dir.

Der 42. Psalm, vertont von Felix Mendelssohn Bartholdy, gespielt und gesungen von Chor & Orchester der TU Darmstadt.

12.12.2015 in der Johanneskirche, Leitung: Jan Schumacher, Sopran: Johanna Rosskoop, Violone: Georg Bednarek, Oboe: Dietrich Stephan

Obwohl es dieses Mal zwei Termine für das Weihnachtskonzert gab, waren die Plätze wieder ausverkauft. Neben Mendelssohn wurden das Te Deum von Haydn und das Doppelkonzert für Violine und Oboe in d-Moll von J.S. Bach gespielt und gesungen. Wie letztes Jahr: Der Besuch hat sich gelohnt. Die Kirche hat eine schöne Akkustik und die Stimmen und Instrumente wissen sie zu nutzen. Semiprofessionell würde man sagen, wenn nicht gar professionell. Nächstes Jahr: Umzug in eine Umgebung, in der alle Platz finden! Sogar der Abschlusstext von „Mach hoch die Tür“ wurde dieses Jahr im Programmheft nicht vergessen. Danke Jan, danke liebe Musiker und Choristen und frohes Fest.

Wer krank ist, wird bestraft

Selbstvermessung, Selbstoptimierung. Krankenkassen bezahlen monatliche Raten für Fitnessapps, schütten Boni aus und denken über eine Beitragsstaffelung nach. Wer sich fit und gesund hält, bekommt Rabatte. Wer krank ist und den Fitnesswahn nicht mitmachen kann, hat Pech!

Dystopie? Realität!

Die AOK Nordost belohnte als 1. gesetzliche Versicherung den Kauf eines Fitnessarmbandes oder einer Apple Watch mit einem Bonus (bis zu 50 €). Wer beim Programm „mobil vital“ des Start-ups Dacadoo (Gesundheistvermessung) mitmacht, bekommt das Monatsabo (4,99 €) ebenfalls von der Kasse erstattet.

2008 löste Google Health mit dem Motto „The company to cure death“ noch Entrüstung aus. Heute kommen sie mit der gleichen Idee unter dem Namen Google Fit wieder auf den Markt und niemand kümmert es.

Wer schwer krank ist, kann kaum Sport treiben und bekommt keinen Bonus. Wir sind nur einen Schritt von einem Strafsystem  für diejenigen entfernt, die nicht an Gesundheitsprogrammen teilnehmen wollen oder können.

Und alles passiert weitgehend hinter den Kulissen. Das E-Health Gesetz mag jetzt noch harmlos sein, aber auch Trippelschritte sind Schritte.

In was für einer Gesellschaft wollen wir leben?

Aschenputtel von Alfred Hitchcock

Hessisches Staatsballett: „Aschenputtel“ von Tim Plegge, Musik von Sergej Prokofjew und Jörg Gollasch; Samstag 05. Dezember 2015, Staatstheater Darmstadt, (Premiere 13. Februar 2015)

Tim Plegge wertet die Vögel auf. Sie sind nicht mehr nur wie im Märchen Helfer in der Not, sondern Himmelsboten, Repräsentanten einer anderen Welt und Impulsgeber für Aschenputtel. Und auch Jörg Gollasch begreift die Vögel als zentrales Element und komponiert für ihre Bühnenauftritte Musik, die durchaus in einem Film von Hitchcock oder Poe (Rabe Nimmermehr) spielen könnte.

Mit Aschenputtel präsentiert der Ballettdirektor des Staatstheaters Darmstadt sein erstes abendfüllendes Stück mit dem Hessischen Staatsballett. Sein Konzept, die Vögel aufzuwerten und als Leitmotiv durch das Märchen zu verwenden, geht auf. Sobald die Vögel die musikalische und tänzerische Bühne betreten, gewinnt das Ballett an Geschwindigkeit und erhält die nötige Dramatik. Weg vom altbekannten und klischeehaften, das gewisse Längen aufweist, weil zu oft schon gesehen und gehört. Aschenputtels farbloser Vater, der weder versteht, um was es geht, noch genug Arsch in der Hose hat, seine leibliche Tochter zu verteidigen, die missgünstige Stiefmutter und die intriganten Stiefschwestern. Sie alle sind erwartbar. Die Vögel hingegen als dunkle wie helle Macht, als Szenario Hitchcocks ebenso wie als Boten der Mutter, die ebenfalls eine überraschend erfreulich kraftvolle Rolle erhält und starke tänzerische Auftritte hat. Die Idee den Prinzen ebenfalls mittels eigenständiger psychologischer Rolle und Entwicklung präsenter zu machen, funktioniert nur ansatzweise, zu platt die Analogie zwischen seiner Sehnsucht nach Raum und Freiheit und seiner Einkleidung in ein Raumkostüm. Dennoch auch hier der Versuch, einen Schritt aus dem Denkrahmen des klassischen Märchens herauszutreten. Insgesamt ein gelungenes Stück, das das Märchen Aschenputtel nur noch als Frame benutzt, um sowohl archetypische Subtexte aufzugreifen als auch einen traditionellen Stoff in die Jetztzeit zu transferieren. Die Musik von Gollasch wirkt dabei fast belebender als die von Prokofjew, auch wenn dies natürlich eine gewagte Aussage ist, ein gewagter Vergleich und man vielleicht besser sagen sollte, dass die beiden sehr konträren Musiken gut ineinander greifen und sich wechselseitig befruchten. Positiv hervorzuheben sind auch die Kostüme, die die Bedeutung der Vögel ebenfalls unterstreichen und insgesamt angenehm minimalistisch und zugleich raffiniert sind – bis auf den genannten Raumanzug. Erfreulich viele Kinder unter den Zuschauern, Mädchen wie Jungen und verdient langer Applaus.