Assoziatives Schreiben

Lesen Sie die Anleitung bitte in Etappen. Erst, wenn Sie die Schreibaufgabe auf dieser Seite gemacht haben, klicken Sie  weiter, sonst ist die Übung nur bedingt sinnstiftend, weil sie auf Spontanität und Assoziativität beruht.

Schreiben Sie die Buchstaben Ihres Vor- und Nachnamens auf ein Blatt Papier und notieren hinter jedem Buchstaben das erste Wort, das Ihnen spontan einfällt.

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Jede Story hat so viele Stränge wie sie Leser hat …

„Selbst heute noch meine ich manchmal, ich sähe ihn auf der Straße, hinter einem Fenster oder in einem Coffee-Shop über ein Buch gebeugt. Und in dem Augenblick, bevor mir klar wird, daß es jemand anders ist, ziehen sich meine Lungen zusammen, und es verschlägt mir den Atem …“

Wie geht es weiter? Schreiben Sie Ihre eigene Story!

Quelle: Hustvedt, S. (2003) Die unsichtbare Frau. Hamburg: Rowohlt, S.9

Schrödingers Katze und die „Viele-Welten-Interpretation“

Erwin Schrödingers Katze ist ein viel zitiertes Paradox von Physik und Philosophie. Ohne das Experiment genauer beschreiben zu wollen: Folgt man den Gesetzen der Quantenphysik, befindet sich die Katze in einem paradoxen Zustand: sie ist zugleich tot und lebendig. Das Verhalten radioaktiver Substanzen (die sich zusammen mit der Katze in der Kiste befinden) wird nämlich durch eine Wellenfunktion beschrieben, die alle möglichen Ergebnisse beinhaltet.

Gemäß der „Viele-Welten-Interpretation“ (Hugh Everett) bleiben zwei Zustände als gleichberechtigte Realitäten erhalten und entwickeln sich unabhängig voneinander weiter.

Gerade jetzt teilt sich die Realität: in der einen Realität schreiben Sie einen Text und in der anderen passiert das, worüber Sie in dem Text schreiben …

Innehalten – Spüren – Schreiben

„Schreiben ‒ und demnach auch Lesen ‒ setzt dies Innehalten voraus, das Sich-Befreien vom ‚Funktionieren‘. Nur im Innehalten, nur wenn die programmierte und programmierende Zeit stillsteht, kann der Mensch zu sich selber kommen …“ (Hilde Domin)

Intuitiv wissen wir oft, was uns entspannt und aufrichtet. Doch in Zeiten, in denen Anspannung und Druck die Überhand gewinnen, kann dieses Wissen verschüttet sein. Zudem meinen wir, dass uns dieses Wissen nicht viel nütze, weil wir keine Zeit hätten, es umzusetzen, zumal wir oft davon ausgehen, Entspannung benötige Zeit. Um uns zu entspannen, so denken wir, benötigten wir Ruhe und die hätten wir eben nicht: ein Circulus vitiosus.

Schreibimpuls 1: Notieren Sie spontan und ohne über eine mögliche Umsetzung nachzudenken, zehn Dinge, die Ihnen einmal gut getan und sie entspannt haben. Schreiben Sie möglichst ohne nachzudenken.

Schreibimpuls 2: Wählen Sie aus der entstandenen Liste die Möglichkeit der Entspannung, die Sie aktuell am meisten anspricht, und stellen Sie sich vor, Sie würden diese geschenkt bekommen. Beschreiben Sie, wie Sie das Geschenk erleben und was Sie damit machen.

Quelle: Heimes, Silke (2015) „Schreib dich gesund. Übungen für verschiedene Krankheitsbilder“. Göttingen. Vandenhoeck & Ruprecht.

Wenn Sie ein Problem haben – vielleicht hilft Ihnen das Schreiben zur Wunderfrage

Stellen Sie sich vor, Sie gehen am Abend ins Bett und über Nacht geschieht ein Wunder, so dass Ihr aktuell größtes Problem mit einem Schlag verschwunden ist, was Sie aber nicht wissen, da Sie geschlafen haben. Woran würden Sie am nächsten Morgen bemerken, dass das Problem nicht mehr vorhanden ist? Woran würden andere es merken?  Was würden Sie am ersten Tag Ihres Lebens ohne das Problem machen? Schreiben Sie einen Text dazu.

Pablo Nerudas Fragen

Vielleicht haben Sie Lust, mit Pablo Nerudas Fragen gedanklich ein wenig zu spielen und dazu etwas zu schreiben:

  • Wohin gehen die geträumten Dinge?
  • Wer singt vom Grund des verlassenen Sees?
  • Wohin ziehen sich die Schatten zurück?
  • Wie weit, in runden Metern, ist es von der Sonne zu den Orangen?

Heute schon alliteriert?

Alliteraton: mehrere aufeinanderfolgende Worte beginnen mit dem gleichen Buchstaben, es entsteht ein Gleichklang:

  • „Anna aß alte Ananas am Abend.“
  • „Sonnigen sonntags sitzt Susi Sauer seltsam still.“
  • „Trauriger Tiger toastet Tomaten.“
  •  „Junge Jagdhunde jaulen in juckenden Jesuslatschen und Japaner mit Jutetaschen jodeln in Jerusalem.“
  •  „Emsige Elefanten ekeln sich vor eingemachter Entenbrust und eiskalten Esskastanien, während sie erntefrischen Edelspargel gerne essen.“

Vielleicht mögen Sie es auch versuchen, lässt sich überall im Alltag integrieren …

Schreiben nach Queneuas Stilübungen

Queneaus Geschichte handelt von einer Rempelei in einem Pariser Autobus – er erzählt sie auf 99 verschiedene Arten, die alle denkbaren Erzählweisen vom klassischen Bericht bis hin zum nur noch Vokale lallenden Avantgardismus umfasst. Im Folgenden finden Sie ein paar Beispiele. Ihre Aufgabe besteht darin, ebenfalls eine oder mehrere eigene Versionen zu schreiben.

Die Fakten
Im Autobus der Linie S, zur Hauptverkehrszeit. Ein Kerl von etwa sechsundzwanzig Jahren, weicher Hut mit Kordel anstelle des Bandes, zu langer Hals, als hätte man daran gezogen. Leute steigen aus. Der in Frage stehende Kerl ist über seinen Nachbarn erbost. Er wirft ihm vor, ihn jedesmal, wenn jemand vorbeikommt, anzurempeln. Weinerlicher Ton, der bösartig klingen soll. Als er einen leeren Platz sieht, stürzt er sich darauf. Zwei Stunden später sehe ich ihn an der Cour de Rome, vor der Gare Saint-Lazaire, wieder. Er ist mit einem Kameraden zusammen, der zu ihm sagt: „Du solltest dir noch einen Knopf an deinen Überzieher nähen lassen.“ Er zeigt ihm wo (am Ausschnitt) und warum.

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Der 3 Minuten Atemraum

Der 3 Minuten Atemraum ist eine ganz einfache Übung, die Ihnen zum einen den Einstieg in die Praxis der Achtsamkeit erleichtern soll und Ihnen zum anderen eine gute Hilfe im Alltag bieten kann, insbesondere dann, wenn wenig Zeit zum Meditieren oder anderen formalen Achtsamkeitsübungen zur Verfügung steht. Der 3 Minuten Atemraum lässt sich immer und überall durchführen und unter Umständen kann es für Sie hilfreich sein, sich an verschiedenen Orten (z.B. am Arbeitsplatz) kleine Zettel zu platzieren, die Sie daran erinnern, im Verlauf des Tages – und hier insbesondere dann, wenn der Stress zunimmt und Sie meinen, keine Zeit dafür zu haben – Innezuhalten und kurz in sich Hineinzuhören, Kontakt mit sich aufzunehmen, um ganz bei sich zu sein und wahrzunehmen, was gerade ist.

Am Besten Sie schließen die Augen und machen in den nächsten drei Minuten Folgendes:

  1. Minute: Alle Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen bewusst wahrnehmen.
  2. Minute: Den Atem beobachten und im gegenwärtigen Augenblick ruhen.
  3. Minute: Den Körper als Ganzes wahrnehmen.

Es kommt nicht darauf an, dass die Minuten eingehalten werden (mit geschlossenen Augen eine echte Herausforderung), sondern dass Ihr Geist einen Anker hat. Sie können sich ja einen Timer auf 3 Minuten stellen.

Schreibübung des Tages: automatisches Schreiben

Nehmen Sie folgenden Halbsatz als Ausgangspunkt:

„Als ich heute morgen erwachte, …“

Schreiben Sie fünf Minuten lang. Halten Sie nicht inne, lesen nicht nach und korrigieren nicht. Entscheidend ist, dass Sie den Stift über das Papier gleiten lassen, ohne aufzuhören, ohne abzusetzen. Schreiben Sie so schnell wie möglich und hören nach genau fünf Minuten damit auf, mitten im Satz, mitten im Wort (so machte es Hemingway in der Nacht – das automatische Schreiben dagegen stammt von den Surrealisten – ècriture automatique).