Existenzminimum

„Das Gedicht ist uns selbst auf der Spur, es zeigt uns Wege, die wir verlassen haben, die wir vergessen haben, die wir finden oder wiederfinden müssen, wenn wir auf dem Weg zu uns selbst sind. Darum sind Gedichte unverzichtbar, darum gehören sie zu unserem Existenzminimum“ (Borchers, Elisabeth 2003).

Heute schon getwittert?

Was wir von Twitter lernen können: Beim Twittern hat man 140 Zeichen zur Verfügung. Das war’s. Das heißt, ich muss das, was ich mitteilen will, sehr genau auf den Punkt bringen. Dafür muss ich sehr genau wissen, was ich sagen will. Probieren Sie es doch mal aus: ganz ohne Twitter.

Schreiben Sie kurze Nachrichten an Menschen, denen Sie etwas mitteilen wollen.
Oder bringen Sie die Idee für eine Kurzgeschichte oder eine längere Erzählung mit 140 Zeichen auf den Punkt.
Oder vermitteln Sie mit 140 Zeichen wie es Ihnen gerade geht.
Oder …

Kürze und Klarheit. Und hat nicht schön J.W. Goethe gesagt: „Wenn ich mehr Zeit gehabt hätte, hätte ich einen kürzeren Brief geschrieben.“

Das Selbst als Haus

„Ständig stellt uns das Leben Fragen, ständig geben wir dem Leben Antworten – wahrlich, das Leben ist ein Frage- und Antwort-Ernst.“ (Viktor E. Frankl)

Wenn Sie sich selbst als Haus beschreiben müssten, was für ein Haus wären Sie? alt, neu, groß, klein, gut in Stand … Wie viele Etagen und Zimmer gibt es? Sind alle bewohnt? Gibt es Zimmer, die Sie selbst nicht kennen oder betreten? Gibt es einen Dachboden oder Keller? Was kann man dort finden? Wer wohnt alles in Ihrem Haus? Wie würden Sie die Atmosphäre in Ihrem Haus beschreiben? Ist Ihr Haus offen für Gäste?

Quelle: Heimes S (2014) Schreiben als Selbstcoaching. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.

Lokaljournalismus – Wissenschaft in Darmstadt

Wo werden die Satelliten gesteuert? Woher bekommt der Wettermoderator seine Daten? Wo wurde Ecstasy erfunden? Die Antwort lautet: Darmstadt.

Natürlich erweise ich mich damit als ein klein wenig lokalpatriotisch, aber mal ehrlich: in Darmstadt und Umgebung ist viel Wissen vorhanden (ESA/ESOC, Deutscher Wetterdienst, Zentrum für Schwerionenforschung etc.)

Aber sehen Sie selbst: DNA Naturwissenschaft in Darmstadt

Und dort gibt es auch ein e-Paper für Sie zum Blättern.

Viel Spaß beim Lesen!

Glasmenschen

Stellen Sie sich vor, alle Menschen sind aus Glas. Was bedeutet das? Kann man ihre Herzen schlagen sehen, ihre Gedanken lesen? Wie muss man miteinander umgehen, wenn man aus Glas ist? Wie fühlt es sich an, aus Glas zu sein? Beschreiben Sie eine Welt, in der die Menschen aus Glas sind. Viel Spaß beim Schreiben!

Was ist Poesietherapie? Woher stammt der Ausdruck ‚Poesie‘?

1.1 Der Begriff der Poesietherapie

1.1.1 Schreiben und Lesen als Therapie

Der Begriff der Poesietherapie, der dem amerikanischen poetry therapy entlehnt ist, der von Leedy und Lerner geprägt wurde (Lerner 1980; Leedy 1969), scheint für den deutschsprachigen Raum am besten geeignet, Bestrebungen, die das Schreiben und Lesen als therapeutisches Mittel einsetzen, unter einem sprachlichen Dach zu vereinen. Die Festlegung auf einen übergreifenden, im umfassenden Sinn zu verstehenden und zu gebrauchenden Terminus ist aus mehreren Gründen sinnvoll. Erstens ist die derzeit im Bereich der kreativen und therapeutischen Schreibangebote vorherrschende babylonische Sprachverwirrung für die Stärkung der Poesietherapie wenig förderlich. Zweitens ist die Benennung der Therapieform Voraussetzung für die Erstellung von Ausbildungsstandards, die Entwicklung eines eigenen Berufsprofils und eines damit auf lange Sicht einhergehenden Titelschutzes für Poesietherapeuten, der professionelles, informiertes und ethisches Handeln signalisiert und gewährleistet. Drittens wird die Zukunft es erforderlich machen, für Poesietherapeuten Dachverbände zu gründen und Kongresse auszurichten. Und viertens ermöglicht ein einheitlicher Titel, der für eine spezielle therapeutische Methode steht, institutionen- und länderübergreifende Forschung, die wiederum erforderlich ist, um der Poesietherapie im deutschen Gesundheitssystem einen festen Platz als Heilverfahren zu verschaffen. In Analogie zu den Nachbardisziplinen Kunst-, Gestalt- und Dramatherapie wird der Begriff der Poesietherapie, bis zu deren endgültiger Etablierung, immer wieder erklärungsbedürftig sein, was aber angesichts der Vorteile, die der Begriff mit sich bringt, in Kauf genommen werden kann.

1.1.2 Poesie ist mehr als Lyrik

Der Begriff der Poesie lässt erahnen, dass Poesietherapie mehr ist, als der Versuch, Menschen mittels gebundener Sprache zu heilen. Das aus dem Griechischen stammende poiesis bezeichnet nur in erster Instanz einen Gattungsbegriff, der gemäß der Aristotelischen Poetik die Lyrik ebenso umfasst wie das Drama und das Epos. Die Definition der Poesie kam im 18. Jahrhundert ins Wanken, als das Spektrum poetischer Gattungen dekonstruiert wurde und die Prosa in die literarischen Klassifizierungen Einzug hielt. Die Prosa, die in der Poesie bis dato keine Rolle spielte, bekam innerhalb des neuen Literaturbegriffs eine zentrale Stellung, wodurch der Begriff der Poesie im 19. Jahrhundert beinah frei zur Verfügung stand, was dazu führte, dass die literarische Avantgarde des 20. Jahrhunderts den Begriff für andere Kontexte übernahm und von einer Poesie des Alltags sprach. Spätere modernistisch-reduktionistische Verständnisse beschnitten den Begriff wieder und gingen dazu über, unter Poesie nur noch ein Experimentierfeld für das Zustandekommen von Bedeutung in Gedichten zu verstehen. Neben seiner Verwendung als Gattungsbegriff bezeichnet poiesis in zweiter Instanz eine Qualität des Erlebens, wodurch sich für eine so benannte Therapie das weite Denk-, Wahrnehmungs- und Erlebnisfeld der Achtsamkeit öffnet. Achtsamkeit als wesentlicher Bestandteil der Poesietherapie, da nur über etwas geschrieben werden kann, was wahrgenommen wird, wobei sich Schreiben und achtsame Wahrnehmung in einem beständigen Wechselverhältnis befinden, dergestalt, dass Schreiben Achtsamkeit und Wahrnehmung fördert und schult und die Aufnahme der Welt mit allen Sinnen wiederum zu einer veränderten Sprach- und Ausdruckskompetenz führt, die von einer routinierten Wahrnehmung zu einem erweiterten Blick leitet, der Einfluss auf Sprache, Denken, Empfinden und Handeln nimmt, so dass jeder neuen Impression eine veränderte Expression folgt, die eine veränderte Impression nach sich zieht, die eine neue Expression generiert, so dass Impression und Expression sich in einem beständigen Dialog befinden.

Quelle: Heimes, S. (2012) Warum schreiben hilft. Die Wirksamkeitsnachweise zum Schreiben. Göttingen: V&R, S. 13-14

Es gibt natürlich auch die Philosophie der kleinen Schritte

Wer die letzte Übung als zu großen Sprung erlebt hat, kann mit dieser hier ggf. etwas anfangen. Schreiben Sie zu jeder Frage einen kurzen Text, wenn Sie mögen:

Übung: Tausend kleine Schritte

Frage 1: Gibt es etwas, das Sie aktuell anstreben, beziehungsweise erreichen wollen?
Frage 2: Wie könnte ein erster kleiner Schritt zum Erreichen Ihres Ziels aussehen?
Frage 3: Wie viel Zeit geben Sie sich zum Erreichen des Ziels?
Frage 4: Wie könnten Sie sich für ‚Etappensiege’ belohnen?

Quelle: Heimes, Silke (2014) „Schreiben als Selbstcoaching“ Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.

time for change?

Idee: Es gibt eine Übung, die sich „Best Possible Self“ nennt. Dahinter steht die Idee, dass das Schreiben über eine positiv imaginierte Zukunft zur Verbesserung der Selbstwirksamkeit und Lebenszufriedenheit führt und die Lebensorientierung erleichtert. Es gibt Untersuchungen zur Imaginationsfähigkeit, die ergaben, dass Menschen, die sich die Bewältigung von Aufgaben gut vorstellen können, bei der Bewältigung der Aufgaben in der Realität besser abschneiden als Menschen mit einer eingeschränkten Imaginationsfähigkeit. Eine Fähigkeit, die man sich gerade dann zunutze machen kann, wenn es darum geht, Ideen zu entwickeln, wie man mit Veränderungen umgehen kann.

Schreibimpuls: Stellen Sie sich vor, dass alles so gut wie möglich gelaufen sein wird: Sie haben hart gearbeitet, alle Ihre Lebensziele sind erreicht worden und Ihre Lebensträume haben sich erfüllt. Malen Sie sich aus, was das für Ihr Leben bedeutet. Erkunden Sie Ihre Gefühle und Gedanken, die mit dieser Vorstellung einhergehen, und führen Sie sich vor Augen, wie Ihr mit dieser Vorstellung verbundenes Leben aussehen wird.

Quelle: Heimes, Silke (2015) „Schreib dich gesund. Übungen für verschiedene Krankheitsbilder“. Göttingen. Vandenhoeck & Ruprecht.