Alles autonom?

Der Begriff der Autonomie stammt aus dem Altgriechischen (autonomía; autos = selbst; nomos = Gesetz) und bezeichnet den Zustand der Eigengesetzlichkeit, der Selbstbestimmung, Selbstständigkeit und Unabhängigkeit. Das Wort stammt eigentlich aus der Rechtswissenschaft und meint das Recht einer natürlichen oder juristischen Person zur Regelung der eigenen Rechtsverhältnisse. Der Begriff wurde erstmals im Friedensvertrag zwischen Athen und Sparta (446 v. Chr.) nachgewiesen, wo er das Recht beschrieb, die eigenen inneren Angelegenheiten unabhängig von einer anderen Macht bestimmen zu können, was eine wechselseitige Anerkennung der Herrschaftsbereiche meinte.

In der Philosophie wird unter Autonomie die Fähigkeit verstanden, sich als freies Wesen zu begreifen, das frei handelt. Dabei hat der Mensch sein moralisches Verhalten selbst zu steuern und zu verantworten und sich nach allgemeinverbindlichen Regeln und Prinzipien zu richten. Diese Idee der Autonomie hängt mit der ethischen Dimension des Begriffes zusammen. Die reale Möglichkeit der Autonomie hängt nach Kant von der Überwindung gegebener Formen der Abhängigkeit und Fremdbestimmung ab. Die ethische Autonomielehre Kants richtete sich vor allem gegen die katholische Morallehre seiner Zeit, die den sittlichen Willen fast ausschließlich einer Fremdgesetzlichkeit unterwirft. Dabei ging es ihm um die Begründung einer konfessions- und religionsübergreifenden Vernunftethik. Der Begriff der Autonomie ist in der Philosophie zudem eng mit dem Begriff der Würde verbunden sowie der Idee der Willensfreiheit.

Der Psychiater Eric Berne, der die Transaktionsanalyse begründete, sah die Autonomie als Ziel seiner Arbeit und verstand darunter die Möglichkeit des Menschen, Spontanität, Bewusstheit und Intimität zu leben (Berne 1966). Damit meinte er eine gewisse Selbstständigkeit im Kontakt zu anderen und nicht etwa eine übertriebene Selbstbezogenheit. Dies würde bedeuten, dass autonome Erwachsene das ihnen zur Verfügung stehende Potential in eine Beziehung einbringen und dann selbstbestimmt über ihr Fühlen, Denken und Handeln entscheiden, immer aber unter angemessener Berücksichtigung des Anderen und der Situation.

Und was verstehen Sie unter Autonomie? Vielleicht mögen Sie schnell und ohne nachzudenken, fünf Minuten Ihre Gedanken dazu auf Papier fließen lassen …

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