Du Schutzpatron der Irren

ich weiß nicht, wie du heißt,

nicht, welcher Schrei dich preist

und ob du auch das Klirren

des Herzsprungs noch erträgst.

Herr Helfer, dir erwägst

wohl heimlich schon die Flucht

und schleichst dich unversucht

aus meinem Händeringen?

Weißt du, wie Engel singen,

wenn man das Schläfenbein

als Hammer oder Stein

benutzt, um auszubrechen

aus seiner Einzelhaft?

Kennst du die Bilderkraft

am Scheitel und das Sprechen

am Rippenknoten-Ort?

Wie weit bist du schon fort

aus meiner Fingerwiege,

du fremder Schutzpatron?

Der Mond, der Hundesohn,

verhöhnt mich, wie ich liege,

verkrümmt und angespannt,

durchfroren und verbrannt.

(Christine Lavant, 1915-1973)

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