Kreatives Schreiben – Übungen zum Thema Geborgenheit

Wir alle suchen unser Leben lang nach einem Ort, einem Menschen oder einer Vorstellung von etwas, das uns das Gefühl gibt, angekommen zu sein. In einer Welt der Globalisierung und Mobilität scheint es fast konservativ einzugestehen, dass man sich mit einem bestimmten Ort, einer bestimmten Region verbunden fühlt und so etwas wie heimatliche Gefühle entwickelt. Dennoch haben Untersuchungen gezeigt, dass siebzig Prozent der Deutschen mit dem Gefühl der Heimat einen festen Ort verbinden, in Bayern sogar neunzig Prozent der Befragten (Schmidt 2010). Zugleich ist das Gefühl von Geborgenheit im Erwachsenenalter eine individuelle Frage. Manche Menschen finden Rückhalt in der Familie, respektive in Beziehungen, andere Geborgenheit im Glauben, wieder andere fühlen sich geborgen durch finanzielle Sicherheit, andere sind so stabil, dass sie sich in sich selbst geborgen fühlen und wenig brauchen, wie etwa buddhistische Mönche, die keine Frau haben, keine Familie und oft nur Reis essen und sich dennoch geborgen und sicher fühlen (Mogel 2009).

Oft ist es die Abwesenheit von Geborgenheit, die zu schwierigen Lebensanfängen führt. Kinder sind existentiell auf das Gefühl von Geborgenheit angewiesen, damit sie sich gesund entwickeln und Vertrauen aufbauen können. In der Kindheit Körperwärme und Zuwendung von den Bezugspersonen zu erfahren, ist wichtig, um als Erwachsener emotionale Wärme wahr- und annehmen und auch selbst geben zu können. Wie wichtig das Gefühl der Geborgenheit in der Eltern-Kind-Beziehung ist, zeigte sich in einem ethisch umstrittenen Experiment, in dem ein amerikanischer Verhaltensforscher junge Rhesusaffen allein in einen Käfig setzte und ihnen die Wahl zwischen zwei Mutterattrappen ließ. Eine bestand aus Draht und bot Futter, die andere war aus Stoff, bot aber keine Nahrung. Die kleinen Affenbabys rannten hektisch zur Drahtmutter, um ihren Hunger zu stillen, dann wieder zur Stoffmutter, an die sie sich Schutz suchend drückten. Immer wurde nur kurz der größte Hunger gestillt, dann wurde auf der Suche nach Geborgenheit wieder die Stoffmutter aufgesucht (Harlow 1958).

Übung: Hatten Sie in Ihrer Kindheit das Gefühl von Geborgenheit? Falls ja, von wem und wie wurde das hergestellt? Falls nein, gab es etwas, das diesen Mangel ausgleichen konnte?

Übung: Beschreiben Sie konkret, was Ihnen ein Gefühl von Geborgenheit vermittelt. Denken Sie daran, dass es sich dabei um ganz alltägliche und kleine Dinge handeln kann.

Übung: Ist Gefühl von Geborgenheit für Sie etwas, das von anderen Menschen ausgeht oder schaffen Sie es, sich selbst das Gefühl von Geborgenheit zu vermitteln?

One thought on “Kreatives Schreiben – Übungen zum Thema Geborgenheit

  1. Ich saß auf dem Rückflug von Kathmandu neben einem buddhistischen Mönch aus Tibet, der Lamm aß, einen chinesischen Bud Spencer Film schaute und mit seinem Handy spielte. Er wirkte sowas von in sich ruhend und wir hatten eine Menge Spaß zusammen. Und ich fühlte mich auf diesem Flug so sicher wie noch nie in einem Flugzeug 😉
    Vielleicht ist es eben die Kunst, diesen Spagat nicht als Spagat zu empfinden, sondern sich in der modernen Welt geborgen zu fühlen, nicht ohne sondern eben mit allem?

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