Partnerschaftsübung

Besorgen Sie sich zwei Stadtpläne oder drucken Karten über das Internet aus. Zeichnen Sie eine Woche lang die Wege auf, die Sie gehen oder fahren oder anderswie zurücklegen. Ihr Partner macht das gleiche. Am Ende der Woche legen Sie die Karten nebeneinander. Gibt es dazu etwas zu schreiben?

Schreiben mit der Hand oder mit dem Computer

Macht es einen Unterschied, ob man mit der Hand oder auf der Tastatur schreibt? Eine Frage, die sich Leiter und Teilnehmer von Schreibwerkstätten immer wieder stellen und deren Antwort einfach ist: Ja, es macht einen Unterschied. Schwerer wird es, wenn es um die Frage einer Empfehlung geht.

J.C. Oates: „Ich benutze kein Textverarbeitungsprogramm, sondern schreibe zunächst vieles von Hand auf. (Ja, ich weiß, Schriftsteller sind verrückt).“

Je mehr das gesamte Gehirn beansprucht wird, umso stärker wirkt sich das auf die Gedächtnisfähigkeit aus. Selbstgeschriebenes wird im Gehirn nicht nur in Form von Buchstaben und Worten gespeichert, sondern ebenso als motorischer Bewegungsablauf, der das Erinnern erleichtert, während getippte Buchstaben und Worte keine solchen Erinnerungsspuren hinterlassen. Man scheint aber nicht nur besser zu lernen und zu erinnern, wenn man mit der Hand schreibt, sondern zusätzlich weitere kognitive und sprachliche Fertigkeiten zu entwickeln, die beispielsweise in der Gestaltung komplexer Sätze und dem Schreiben längerer freier Texte zum Ausdruck kommen. Die Erklärung hierfür könnte sein, dass die Bewegungssequenzen, die für das Schreiben mit der Hand erforderlich sind, Gehirnregionen aktivieren, die zugleich für Denken und Sprache zuständig sind. Zudem dürfte die Tatsache eine Rolle spielen, dass man sich beim Schreiben mit der Hand intensiver konzentriert, weil man das Geschriebene nicht so leicht korrigieren kann wie am Computer. Möglicherweise bleibt auch durch die Verlangsamung des Schreibprozesses mehr Zeit, gedankliche Verbindungen herzustellen.

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Kreatives Schreiben

Zum Wochenausklang eine Schreibübung. Dieses Mal geht es um den Dialog. Stellen Sie sich vor, zwei Menschen (die Sie erfinden) führen ein Streitgespräch, in dem der eine irgendwann sagt: „Ich will das aber“. Um was könnte es in diesem Dialog gehen? In welcher Tonart könnte er geführt werden? Versuchen Sie so wenig Fließtext wie möglich zu verwenden, man sollte aus der direkten Rede erkennen können, um was es geht und vielleicht auch, wer da spricht (Erwachsener, Kind, Mann, Frau). Viel Spaß!

Wild Geese

You do not have to be good.

You do not have to walk on your knees

for a hundred miles through the desert, repenting.

You only have to let the soft animal of your body

love what it loves.

Tell me about despair, yours, and I will tell you mine.

Meanwhile the world goes on.

Meanwhile the sun and the clear pebbles of the rain

are moving across the landscapes,

over the prairies and the deep trees,

the mountains and the rivers.

Meanwhile the wild geese, high in the clean blue air,

are heading home again.

Whoever you are, no matter how lonely,

the world offers itself to your imagination,

calls to you like the wild geese, harsh and exciting–

over and over announcing your place

in the family of things.

 

© Mary Oliver

Du Schutzpatron der Irren

ich weiß nicht, wie du heißt,

nicht, welcher Schrei dich preist

und ob du auch das Klirren

des Herzsprungs noch erträgst.

Herr Helfer, dir erwägst

wohl heimlich schon die Flucht

und schleichst dich unversucht

aus meinem Händeringen?

Weißt du, wie Engel singen,

wenn man das Schläfenbein

als Hammer oder Stein

benutzt, um auszubrechen

aus seiner Einzelhaft?

Kennst du die Bilderkraft

am Scheitel und das Sprechen

am Rippenknoten-Ort?

Wie weit bist du schon fort

aus meiner Fingerwiege,

du fremder Schutzpatron?

Der Mond, der Hundesohn,

verhöhnt mich, wie ich liege,

verkrümmt und angespannt,

durchfroren und verbrannt.

(Christine Lavant, 1915-1973)

Perspektivwechsel

Und weil man auf einem Bein so schlecht steht, hier die zweite Schreibübung fürs Wochenende: Beschreiben Sie einen Tag in Ihrem Leben aus der Sicht eines Gegenstandes in Ihrem Haushalt. Was könnte dieser Gegenstand sagen, wenn er Sie einen Tag lang aufmerksam beobachten würde?

Kreatives Schreiben – Übungen zum Thema Geborgenheit

Wir alle suchen unser Leben lang nach einem Ort, einem Menschen oder einer Vorstellung von etwas, das uns das Gefühl gibt, angekommen zu sein. In einer Welt der Globalisierung und Mobilität scheint es fast konservativ einzugestehen, dass man sich mit einem bestimmten Ort, einer bestimmten Region verbunden fühlt und so etwas wie heimatliche Gefühle entwickelt. Dennoch haben Untersuchungen gezeigt, dass siebzig Prozent der Deutschen mit dem Gefühl der Heimat einen festen Ort verbinden, in Bayern sogar neunzig Prozent der Befragten (Schmidt 2010). Zugleich ist das Gefühl von Geborgenheit im Erwachsenenalter eine individuelle Frage. Manche Menschen finden Rückhalt in der Familie, respektive in Beziehungen, andere Geborgenheit im Glauben, wieder andere fühlen sich geborgen durch finanzielle Sicherheit, andere sind so stabil, dass sie sich in sich selbst geborgen fühlen und wenig brauchen, wie etwa buddhistische Mönche, die keine Frau haben, keine Familie und oft nur Reis essen und sich dennoch geborgen und sicher fühlen (Mogel 2009).

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