Darmstädter Krimitage vom 16.-20. März in der Bessunger Knabenschule

Bis zum Ende der Auftaktveranstaltung waren noch alle am Leben, was in der Nacht geschah …

Kibler liest Gude und Gude liest Kibler. Sie plaudern aus der Schublade, in deren Tiefe Entwürfe verschwunden sind, die nie publiziert wurden. Und höre da: Kibler hat nicht nur das Zeug zum Krimiautor, sondern ist in seinen ersten Entwürfen auch ein veritabler Erotiker. Die Kriminalkommissarin wird in der Ich-Perspektive beschrieben und ihre Sehnsüchte sind durchaus irdisch, die Sprache verbirgt wenig. Kibler nimmt es souverän, dass Gude die Version eines Textes aufs rote Sofa bringt, die durchaus ihre sprachlichen Härten hat und die Gude ironisch mit 50 shades of Nick betitelt. Die Retourkutsche lässt allerdings nicht lange auf sich warten, auch Kibler zieht geheime Dokumente von Gude aus seiner Zeit als Werbetexter aus der Tasche. 1001 Schlacht, eine Werbepersiflage für den Trabi, verfasst für das VEB Automobilwerk in Zwickau. „Ich war jung und brauchte Geld“, verteidigt Gude sich und man wundert sich, dass irgendjemand für solche Reime Geld bezahlt haben soll (auch wenn es in den 80ern war).

Aber sie lesen auch wechselseitig aus ihren neuesten Krimis. Gude liest aus Kiblers Krimi Sterbenszeit, der ausnahmsweise nicht in Darmstadt spielt und in dem ein neues Ermittlerteam seine Arbeit aufnimmt. Kibler hat das Thema interessiert, das in die Vergangenheit und über Darmstadt hinaus reicht, weswegen in diesem Fall eine Soko Mainz ermittelt. Danach liest Kibler aus Gudes Kammerspiel, in dem Gude seinem Ermittler Rünz treu geblieben ist, nach zwei Kriminalromanen im Darmstädter Wissenschaftsmilieu dieses allerdings wieder verlassen hat. Beide lesen wechselseitig auch aus älteren Büchern, fast wie in einer Werkschau. Und sie reden über das Schreiben: wo der eine sich strikt an seine zuvor erarbeitete Krimiarchitektur hält (Kibler), lässt der andere (Gude) sich schon mal von Schauplätzen und Charakteren zu inhaltlichen Richtungswechseln verleiten. Beide recherchieren im Vorfeld ausgiebig und lieben den Mordort Darmstadt, weil sie hier ihre Schauplätze kennen und atmosphärisch dicht arbeiten können.

Kibler und Gude werden als Moderatoren durch die ganze Krimiwoche führen, am 17. März stehen mit Christian von Ditfurth und Ivo Pala Autoren des deutschen Politthrillers auf dem Programm, am 18. März folgen die Preisträger des wichtigen Glauserpreises für Krimiautoren (Roland Spranger und Judith Taschler). Am Donnerstag, den 19. März kommen Uwe Klausner und Volker Kutscher und zum Abschluss reisen die Schweizer Sabina Altermatt und Sunil Mann an.

Das Konzept geht auf, spielerisch, heiter, die Sitzplätze in der Bessunger Knabenschule (120) sind ausverkauft, die Leute, die keinen Stuhl bekommen haben, sitzen auf Bänken am Rand. Alfred Hofmann vom Bessunger Buchladen hat ganze Arbeit geleistet, die Veranstaltung ist gut beworben und organisiert und auch Bernd Breitwieser von der Bessunger Knabenschule hat alles im Griff, angefangen von der Tontechnik bis zur Krimitorte, die in der Pause (obgleich möglicherweise Beweismittel für den Ablauf der Auftaktveranstaltung) vernichtet wird.

Ein Schauplatz, der es bisher weder in Gudes noch in Kiblers Krimis geschafft hat, ist die Darmstädter Müllverbrennungsanlage. Und so können sich die beiden Krimiautoren nicht der Empfehlung enthalten: Wer etwas zu entsorgen hat (was auch immer), fahre bitte einfach zur Müllverbrennungsanlage; 12,50 € für eine Kofferraumladung, keine Kontrolle des Inhalts … die Autoren äußern Verständnis, dass es mitunter zu Familienstreitigkeiten kommen kann …

bis zum Ende der Auftaktveranstaltung waren noch alle am Leben …

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