Ausdruckstanz

L-E-V: House im Staatstheater Darmstadt

Aufführung am 14.3.2015

Die Kompanie L-E-V, was im hebräischen Herz bedeutet, wurde 2013 von Sharon Eyal und Gai Behar gegründet. Die Choreographien entstehen aufgrund der auf der körperlichen Wahrnehmungsschulung beruhenden Gaga-Technik, wobei die erste Assoziation zu Gaga durchaus ernstzunehmend ist, denn es handelt sich um eine Vermittlung von Ursprünglichem, Kindlichem. Aber auch wenn von Choreographie die Rede ist, versteht sich Sharon Eyal nicht als Choreographin, sondern als Kanal, durch den Ausdruck fließt. Und auch der Titel „House“ ist mehr dem Markt geschuldet, der eben einen Titel zur Ankündigung verlangt, denn einer inhaltlichen Ausrichtung. Eyals Stücke sind frei und in Bewegung, Eyal kreiert Stimmungen und Momente wie „Puder, den man in die Luft schmeißt.“ Wenn Emotionen auf die Bühne bringen allerdings meint, 60 min. sexualisierte Gewalt darzustellen, ist das doch ein sehr begrenztes Verständnis von der menschlichen Emotionalität und Ausdrucksfähigkeit. Hart an der Grenze zur Pornographie, hart an der Grenze zu SM, hart an der Grenze des Ästhetischen, über die Grenze des auditiv Erträglichen hinaus (db ++). Wer Pina Bausch kennt und weiß, was Ausdruckstanz zu leisten vermag, wird enttäuscht sein. Es langt eben doch nicht, ein paar trainierte Körper auf die Bühne zu werfen und zu hoffen, dass diese schon irgendwie ihren Ausdruck finden werden.

2 thoughts on “Ausdruckstanz

  1. Der Mut zum Verriss… eine Eigenschaft, die leider immer seltener wird.

    Habe das Stück in DA nicht gesehen, kann mir aber (auch aufgrund ähnlicher Erfahrungen an anderen Häusern, z.b. Frankfurt oder Gießen) ganz gut vorstellen, was dort „auf die Bühne geworfen wurde“.

    „Hart an der Grenze“, eine Formulierung, die mehrfach im Text auftaucht. Dies hat vielleicht auch etwas mit der Tatsache zu tun, dass Grenzen bzw. (Aufmerksamkeits-)Schwellen in unserer Gesellschaft immer weiter verschoben werden und demzufolge immer härtere/lautere/schrillere Geschütze von seiten der Regisseure/Choreographen aufgefahren werden müssen, um überhaupt noch eben jene Aufmerksamkeit zu erhalten?

    Wäre es da nicht mal Zeit für einen Gegentrend?

    Nachdenkliche Grüße
    Björn

  2. wenn wir keine kritischen Anmerkungen mehr machen, verliert m.E. auch eine positive Rezension ihren Sinn? ich bin durchaus dafür, Grenzen auszuloten und auch zu überschreiten, aber es sollte m.E. kritisch reflektiert erfolgen, was mitunter auch eine ironische Brechung bedeuten kann?

Schreibe einen Kommentar