Bisse sind Küsse – oder doch nicht?

Penthesilea – Trauerspiel von Heinrich von Kleist; Staatstheater Darmstadt, Premiere 28.11.2014, letzte Vorstellung 26.02.2014

„Achill ist eine Penthesilea als Mann, Penthesilea ein Achill als Weib. Letztlich sind sie beide Mann und Weib in einem“ (Gundolf 1924). Vielleicht ist es dieser Gedanke, der Simone Blattner (Regie) dazu veranlasst hat, beide Rollen mit Frauen zu besetzen. Und Nadja Stübiger gibt einen würdigen Achill. Zusammen mit ihrem Counterpart Penthesilea (Jeanne Devos) kommen Raserei und Wahnsinn auf die Bühne. Das Publikum wird einbezogen, ein Teil sitzt auf der Bühne und wird zu Griechen, die Zuschauer im Saal sind Amazonen.

Doch von Vorne: In Heinrich von Kleists Drama aus dem Jahr 1808 stehen die Leidenschaften des Einzelnen im Widerspruch zu einer (fragwürdigen) Gesellschaftsordnung. In diesem Fall die Gesellschaftsordnung der Amazonen, eines kriegerischen Frauenvolkes, die keine Männer dulden und denen durch den Gott Mars männliche Gegner auf dem Kriegsfeld zugedacht werden, die gefangen genommen werden, einzig dazu dienen Nachwuchs zu zeugen und dann wieder in die Freiheit entlassen werden.

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