paradies. spiel mir das lied vom anfang.

Ein Liederabend von Jacob Suske und Maria Ursprung im Staatstheater Darmstadt

Suske: „Uns interessiert das Paradies als Mythos und Geschichte, nicht als theologische Parabel oder Lehre.“

Ursprung: „Diese Geschichte ist literarisch in einem einfachen Konzept gebaut: Jemand stellt zwei Menschen in einen abgeschlossenen wunderschönen Raum. Da ist nichts außer ein roter Knopf und ihnen wird gesagt, dass sie alles tun dürfen, außer den roten Knopf zu drücken.“

(Auszug aus dem Interview „Auf der Suche nach der Seele eines Liederabends“ im Programmheft zum Liederabend)

Wir wissen, wie die Geschichte weitergeht. Und auch auf der Bühne verläuft alles folgerichtig linear und endet mit dem Biss in die verbotene Frucht und … vermutlich dem immer wieder anklingenden Tod, der ultimativen Vertreibung aus dem Paradies. Während der Komponist Suske im Interview noch anführt, dass es um die Frage gehe, ob es wirklich schlimm sei zu scheitern, ist von dieser Frage im Verlauf des Liederabends nichts mehr zu spüren, außer man betrachtet das Nachdenken als Scheitern, das Zweifeln als Scheitern, den Verbotsverstoß als Scheitern …

Die im Titel und im Interview antönenden Themen werden mehr oder weniger erwartbar abgearbeitet: Wie das Paradies aussehen könnte und warum es unter Umständen wenig erstrebenswert sein könnte, ewig zu leben. Vor allem wohl, weil es langweilig werden könnte. Klassische Geschlechterrollen (Eva, die ständig Hinterfragende; Adam, der vom Hinterfragen ewig Genervte) und aktuelle Missstände in Schlagworten (Überflussgesellschaft, soziale Ungerechtigkeit, Krieg). Die Texte sind mit starkem Lokalkolorit, der nicht immer überzeugt, die Einspielung eines Videos, das interviewte Darmstädter zeigt, ist mitunter schwer zu verstehen.

Kostüme, Bühnenbild und Musiker sind brillant, allerdings wurde eine Chance vergeben, dieses Thema auf neue Weise aufzugreifen. Was beckettartig anmutet ‚man stellt zwei Menschen in einen abgeschlossenen Raum’ wird weder umgesetzt noch ausgelotet. Das Stück und die Texte bleiben an der Oberfläche, bei den Singstimmen ist eindeutig Luft nach oben, die Kohärenz des Stückes leidet unter den vielen Mitwirkenden (obgleich es prinzipiell eine gute Idee scheint, die Schauspieler mehr in die Komposition des Stückes einzubeziehen).

Ein guter Anfang, ein guter Versuch, etwas Ungewöhnliches auf die Bühne zu bringen, eine neue Form der Regie und Dramaturgie zu erproben und da man Bekett schon bemüht hat, möchte man auch mit Beckett antworten: „… Einerlei. / Wieder versuchen. / Wieder scheitern. / Besser scheitern.“

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