Boiler

Im Café am Nebentisch eine junge deutsche Frau und ein möglicherweise englischer (amerikanischer, kanadischer …) Austauschstudent, der am Morgen kalt duschen musste. Sie erklärt ihm auf Deutsch, dass man den „Boiler“ in der Küche anstellen müsse. Wortreich umschreibt sie, was ein Boiler ist. Am Ende der etwa dreiminütigen Erklärung, sagt er: „Ich kenne das Wort.“

Oh Wunder: es hat seine Herkunft im Englischen.

Der Eintrag hätte somit auch unter das Stichwort skurril gepasst.

„Wir wandelten bereits eine halbe Stunde darin auf und ab, ohne daß man Miene zum Absegeln machte. Mit einemmal verbreitete sich das Gerücht, der Boiler (Dampfkessel) sey schadhaft geworden. Die Furchtsamsten retteten sich sogleich auf den Quai, die Uebrigen schrieen nach dem Capitain, dieser war aber nirgends zu finden; endlich schickte er jemand, der uns ankündigte, man könne ohne Gefahr nicht segeln, und die Sachen würden auf einen französischen Steamer gebracht werden, der um 8 Uhr abginge.“

(Hermann von Pückler-Muskau 1830)

One thought on “Boiler

  1. – Wie gut, dass es ein „echter“ englischer Begriff war und kein Pseudo-Anglizismus wie Handy, Smoking, Public Viewing… Da erlebt man immer wieder lustige Situationen, wenn Anglophone in Deutschland damit konfrontiert werden. 😉

    – Läge das Café im Osten Deutschlands, hätte sie ihm gleich noch verkünden können, dass es Broiler zum Abendessen gäbe. 🙂

    – Die Furchtsamen unter Pücklers Zeitgenossen waren sicher auch die Schlauesten, denn damals war es durchaus üblich, dass Dampfkessel explodierten, nicht nur bei Schiffen, auch bei Dampflokomotiven. Dafür gibt es den hübschen Fachbegriff „Kesselzerknall“. Weniger hübsch, dass es meistens Lokführer und Heizer das Leben kostete.

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