Boiler

Im Café am Nebentisch eine junge deutsche Frau und ein möglicherweise englischer (amerikanischer, kanadischer …) Austauschstudent, der am Morgen kalt duschen musste. Sie erklärt ihm auf Deutsch, dass man den „Boiler“ in der Küche anstellen müsse. Wortreich umschreibt sie, was ein Boiler ist. Am Ende der etwa dreiminütigen Erklärung, sagt er: „Ich kenne das Wort.“

Oh Wunder: es hat seine Herkunft im Englischen.

Der Eintrag hätte somit auch unter das Stichwort skurril gepasst.

„Wir wandelten bereits eine halbe Stunde darin auf und ab, ohne daß man Miene zum Absegeln machte. Mit einemmal verbreitete sich das Gerücht, der Boiler (Dampfkessel) sey schadhaft geworden. Die Furchtsamsten retteten sich sogleich auf den Quai, die Uebrigen schrieen nach dem Capitain, dieser war aber nirgends zu finden; endlich schickte er jemand, der uns ankündigte, man könne ohne Gefahr nicht segeln, und die Sachen würden auf einen französischen Steamer gebracht werden, der um 8 Uhr abginge.“

(Hermann von Pückler-Muskau 1830)

Identität

„Be yourself, the other posts are already taken.“ (Oscar Wilde)

Und wer nicht genau weiß, wie er das bewerkstelligen soll, muss nur bei Wiki how nachlesen. Dort sind es lediglich 12 Schritte zum eigenen Selbst. Wie praktisch. Manchen reichen vielleicht bereits die ersten Schritte – wer weiß. (http://www.wikihow.com/Be-Yourself)

btw: der Beitrag findet sich in direkter Nähe zu dem sicher ebenso hilfreichen und lebensrettenden Eintrag ‚how to pack a rucksack’.

papperlapapp

ein Wortgeschenk, das ich gerne weiterreichen möchte, eine Interjektion, die 1880 erstmals im Rechtschreibduden erscheint. Es handelt sich um Lautmalerei, die wahrscheinlich auf „papp“ im Sinne von „pappeln“ (plappern) beruht. Dieses wiederum meint vor allem das schnelle Sprechen von Kindern, aber auch das Schwatzen im Sinne von verstandlosem Reden. Weniger gesichert ist der Bezug zu den als Bäume bekannten Pappeln, die mitunter als Stimme des Volkes bezeichnet (Vox populi) werden, weil sie bei jedem Windhauch flüstern und sich zu unterhalten scheinen.

Nullzeit

„There are only two days a year that you can’t do anything about. One is called yesterday and the other tomorrow. Therefore today ist the perfect day to love, to grow and mainly live.“ (Dalai Lama)

and of course: to dive …

Nullzeit

Wer schon einmal getaucht ist, weiß, von was Metrodoros von Chios – oder durch ihn sein Lehrer Demokrit – gesprochen hat. Die sich ständig in Bewegung befindlichen und Ansammlungen bildende Atome, die zur Entstehung von Strudeln oder Wirbeln führen, aus denen sich Welten formen, sind unter Wasser leicht zu erahnen. Tief, tief und immer tiefer und um jede Welt eine Membran oder Hülle aus Atomen. Nach dem leeren Raum, der sich gemäß Chios’ Idee zwischen den Welten unterschiedlicher Ausdehnung befindet, halte ich morgen Ausschau.

Mittelmaß

„Auf welche Art wird man mittelmäßig? Dadurch, daß man heute das und morgen jenes so dreht und wendet, wie die Welt es haben will, daß man der Welt nur ja nicht widerspricht und nur der allgemeinen Meinung beipflichtet.“ (Vincent van Gogh)

Selbstvermessung

Wer viel misst, misst viel Mist.

… und ist deswegen weder gesünder noch glücklicher.

Apple Watch: das neue Spielzeug für Lifelogger. Wer Spaß daran hat, seine Körperfunktionen jede Minute zu messen, der möge dies machen. Allerdings handelt es sich dabei mehr um eine Art Spielwiese, denn ein ernstzunehmendes Unterfangen im Rahmen der Gesundheit. Zudem: Wer sich nicht vermessen lässt, hat etwas zu verbergen. Fatal! Alle Daten werden zentral gespeichert bei Apple, Google & Co. … Datenschützer aufgewacht!

„Wie geht’s uns denn heute?“ Wer das nur noch mittels Health-App beantworten kann, sollte sich am besten gleich fragen. „Und wer bin ich?“

FAZIT: Die Apple Watch ist für einen Hypochonder das, was für einen Bulimiker das „All you can eat-Buffet“ ist.

Identität

„Man kann gewiss darüber staunen: Ist unsere Identität also derart fragil, daß sie es nicht ertragen kann, daß andere ihr Leben auf andere Weise führen, daß sie sich anders verstehen, daß sie ihre Identität auf andere Weise in das gemeinsame Zusammenleben einbringen, als wir? So ist es. Es sind Demütigungen, reale poder imaginäre Verletzungen des Selbstwertgefühle unter dem Einfluss der schlecht ertragenen Andersheit, die die Beziehung des Selbst zum Anderen von Offenheit in Zurückweisung und Ausschließung umschlagen lassen.“ (Paul Ricoeur, Gedächtnis, Geschichte, Vergessen)

storytelling

„Unser Leben wird dann sinnvoll, wenn wir es uns erzählen können … Die Literatur hat die Aufgabe und den Sinn, die Tradition des Erzählens fortzusetzen, weil wir unser Leben nur erzählend bestehen können.“ (Peter Bichsel  1982)